Mit Adenauers Boccia-Spiel zum Sieg

Im Seniorenzentrum am Oelber Bach traten Schüler gegen die Heimbewohner an. Am Ende setzte sich die Erfahrung durch und siegte der Spaß.

Von Jan-Michael Schürholz

Beobachtet und angefeuert von den anderen Spielern wirft Erich Wilmink seine Kugel.

Langsam geht Erich Wilmink in die leichte Hocke. Der Blick des 76-Jährigen ist fest auf einen kleinen weißen Ball vor ihm gerichtet. Dann holt er langsam mit seinem Arm aus und wirft die gelbe Kugel, die er in seiner Hand hält. Unter den Anfeuerungsrufen der anderen Spieler landet die Kugel nahe dem kleinen weißen Ball, rollt dann aber doch noch etwas weiter.

 

 

Foto: Bernward Comes

„Der Spaß steht im Mittelpunkt“, sagt Wilmink und zwinkert mit den Augen. Es ist sein zweites Bocciaturnier, an dem er im Seniorenzentrum Haus am Oelber Bach teilnimmt. „Vorher habe ich nur einmal Adenauer beim Boccia-Spiel im Fernsehen gesehen“, sagt er.

Vier Teams treten an. Neben dem Team vom Haus am Oelber Bach nehmen auch Senioren aus den Seniorenzentren aus Lutter und Cremlingen teil. Die vierte Mannschaft stellen Schüler der nahen Schule im Innerstetal.

„Ich hatte mich schon vor den Ferien angemeldet“, sagt der 17-jährige Nick. Er ist einer der acht Spieler, die gegen die Senioren antreten. „Man darf sie nicht unterschätzen“, sagt er. Denn im vergangenen Jahr seien die älteren Semester sehr erfolgreich gewesen, erinnert er sich.

Gespielt wird auf einer Wiese. Mit einem, durch einen Eimer und einem Pylonen beschwertem, Seil ist die Abwurflinie gekennzeichnet. Die Spieler werden namentlich aufgerufen und machen ihren Wurf. Haben alle geworfen haben, wird die Entfernung jeder Kugel zur weißen Kugel gemessen und das Ergebnis notiert.

„Jeweils die zwei Besten kommen weiter“, erklärt Kevin Gewalt. Der 16-Jährige, der an der Schule seinen Freiwilligen Dienst absolviert, hat das Turnier in diesem Jahr über die Sommerferien organisiert und erfasst nun die Ergebnisse.

Die Spieler, die gerade nicht an der Reihe sind, sitzen auf den Bänken und Gartenstühlen, die im Garten verteilt stehen. „Es ist eine schöne Abwechslung“, sagt die 83-jährige Margit Kathe. Sie tritt für das Team Cremlingen an. Es ist zwar ihr erstes Bocciaturnier, wie sie sagt, doch: „Wir haben gute Spieler.“ Am Ende Platz zwei zu erreichen, sagt sie und lacht.

Auf ein gutes Abschneiden hoffen auch andere Spieler. „Die Bedingungen sind aber heute sehr schwer“, sagt eine 86-jährige Spielerin. Der Rasen ist zu wellig und auch der Wind weht in Böen.

Die 12-jährige Lisa verfolgt das Spiel mit einigen Freunden. „Es ist total schön hier“, sagt sie. Das Spiel mit den Senioren mache ihr viel Spaß. „Aber sie sind sehr viel besser als wir“, sagt sie.

Am Training kann dies allerdings nicht liegen, denn wie die Schüler, haben auch die Senioren meist nur wenig Zeit in die Vorbereitung investiert. „Wir wollten gestern noch üben“, verrät Wilmink. Doch der Regen hatte ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Am Ende des Turniers konnten die Senioren doch wieder überzeugen. Und vielleicht hat auch Adenauers Boccia-Spiel dazu beigetragen. Denn Wilmink setzte sich erfolgreich gegen Kathe und den 12-jährigen Niklas Manchen durch.

Im nächsten Jahr werden die Schüler sicherlich wieder eine Revanche fordern, der die Senioren sicher gerne nachkommen werden.

Artikel erschienen in der Salzgitter Zeitung am 15. August 2013